Schongang bei der Haltung, Vollgas bei den Pointen: So präsentierte sich Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder beim 31. Starkbieranstich in der Höllberghalle in Kürnach. Nach seiner Hüftoperation blieb der CSU-Chef demonstrativ sitzen und verzichtete auf den traditionellen Einzug – seine verbalen Spitzen jedoch saßen wie eh und je. Nachdem Empfang der Böllerschützen Kürnach folgte der Eintrag ins goldene Buch der Gemeinde Kürnach. Es wurden extra kurze Laufwege gegangen, um den ehrenwerten Gast zu entlasten.
Auch das Anzapfen überließ Söder vorsichtshalber Kürnachs Bürgermeisterkandidat Stefan Scheller, kommentierte aber launig die Tücken des Starkbierfasses: „Wenn man den Gummi vergisst, dann spritzt’s“. Dieser schlug gekonnt mit zwei Schlägen das erste Fass Starkbier an und nachdem der Kreisvorsitzende Konrad Schlier dem Ministerpräsidenten die erste Maß überreicht hatte, ertönte ein Prosit der Gemütlichkeit.
Nach einem kurzen Umbau blieb Dr. Söder politisch auf Linie: Er warnte vor Radikalen, verteidigte die Mütterrente und forderte mehr wirtschaftlichen Optimismus. „Ich will nicht den Radikalen das Land überlassen“, betonte er und plädierte dafür, demokratische Werte aktiv zu leben.
Auch Landrat Thomas Eberth bekam sein Fett weg – augenzwinkernd, versteht sich. Die Frotzeleien quittierte dieser humorvoll und überreichte dem Ministerpräsidenten symbolisch einen blauen „Eberth-Eimer“. Söder nahm das Geschenk mit reservierter Miene entgegen, was im Publikum für Gelächtersorgte. Die Antwort, hast du nicht mehr zu bieten, konterte Eberthgewohnt sicher mit einem Gegenscherz.
Allerdings wurden auch Forderungen formuliert: Thema Hilfen und Stärkung des Weinbaus in der Region, mehr Vertrauen in den unterschiedlichen Staatsorganisationen und in die Bürgerinnen und Bürger, schnellere, aber menschliche Digitalisierung bis hin zur Krankenhausfinanzierung. „Wenn es niemand tut und alle sich weg ducken, dann muss wie immer die Kommune ran, das können wir nicht ewig aushalten“, so Landrat Thomas Eberth.
Neben bundespolitischen Seitenhieben – etwa gegen AfD-Chefin Alice Weidel – nutzte Söder den Abend auch zur Unterstützung Eberths im Wahlkampf und lobte ihn als „starken Landrat, der zu seinem Wort steht“.
Ein neues Format des Gesprächs prägte den Abend: Statt klassischer Festrede führte Moderatorin Marion Schmieg durch ein lockeres Gespräch. Das kam an – viele Gäste lobten hinterher die persönlichere Atmosphäre.
Kabarettistisch las zudem Manfred Ländner in seiner Rolle als „Quirinius von Quirnaha“ der Politik humorvoll die Leviten und mahnte mehr Fokus auf das Wesentliche an.
„Plakatierungsverordnung im Gemeinderat beschließen und dann den privaten Bereich vollkleistern, nichts tun und dann Schuldentilgung als Erfolg bezeichnen und weitere Beispiele zeigte Ländner, der als Gemeinderat in Kürnach tätig ist, seine Sicht der Dinge auf. Dabei erntet er bei allen Themen viel Applaus.
Nach der Prämierung der Ortsverbände und Musikstücken der Körnier Dorfmusik unter Leitung von Günter Heinrich kam es zu einem besonderen Ereignis.
Den emotionalen Höhepunkt setzte jedoch die Junge Union: Kreisvorsitzender Johannes Konrad machte seiner Partnerin auf offener Bühne einen Heiratsantrag – und erhielt unter dem Applaus der Gäste ein klares Ja.
So endete ein Starkbieranstich, der weniger durch große Reden als durch Nähe, Humor und persönliche Momente überzeugte – ganz im Sinne eines Abends, bei dem die Hüfte im Schongang lief, die politische Rhetorik jedoch keineswegs.